Ohne Titel
Ohne Titel

Markus Prachensky (*1932 Innsbruck, + 2011 Wien) 1932 Innsbruck
1964

Material
Aquarell und Tusche auf dickem Karton

Sammlung
Dom Museum Wien

Inv.Nr.
OM/1520

Mischtechnik
Gemälde
Moderne und Gegenwartskunst

Derzeit ausgestellt

Anfrage
Bildrechte
Leihanfrage

Foto: Leni Deinhardstein, Lisa Rastl, Dom Museum Wien
Nächstes Objekt >


informelle Farbspuren

Diese frühe Arbeit Markus Prachenskys ist ein klassisches Beispiel für die österreichische Malerei der Nachkriegszeit und ihre Reflexion der internationalen Kunst.

„Rot ist die Farbe meines Lebens“, hat Markus Prachensky einmal gesagt. Von seinen frühen Arbeiten der 1950er-und 1960er-Jahre bis zu seinem Spätwerk bleibt die Farbe Rot dominierend. Sie ist es auch in diesem Fall: Der Künstler hat rote, kurze Pinselstriche auf einen weißen Untergrund gesetzt, die einander kaum berühren. Die Farbspritzer zeugen von einem gestischen, dynamischen Auftrag. Mit Blau und Grün werden subtile Akzente gesetzt – einmal überlappend, dann wieder die roten Kleckse weiterführend. Das stark reduzierte Werk setzt der Fantasie keine Grenzen: Die blaue Farbe im Zentrum des Bildes etwa mag an einen Reiter auf einem Pferd erinnern. Ein Objekt aus unserer Welt abzubilden liegt jedoch auf keinen Fall in der Absicht des Künstlers. Ganz im Gegenteil: Prachensky versucht in seinen Bildern die Farbe zu befreien; sie soll nicht mehr bloß Mittel zur Darstellung eines Objekts sein, sondern wird um ihrer selbst willen ins Bild gesetzt. Der Malprozess wird nicht verborgen, sondern bewusst sichtbar gemacht. Man erkennt, wo ein Strich beginnt und wo er endet, wie fest mit dem Pinsel aufgedrückt wurde und wie die Farbe verlief. Dieser Zugang macht Prachensky zu einem der wichtigsten Vertreter des österreichischen Informel, einer abstrakten Kunstströmung, die einen radikalen Neuanfang der Malerei nach der Zäsur des Zweiten Weltkrieges einforderte.

Prachensky, der in Innsbruck geboren wurde und in Wien Architektur und Malerei studierte, war 1956 Mitbegründer der Künstlergruppe „Galerie St. Stephan“, die sich rund um den Domprediger Monsignore Otto Mauer und dessen Galerie scharte. Mauer war ein begeisterter Förderer der abstrakten Kunst und gab den jungen Künstlern die Möglichkeit, im konservativen Wien der Nachkriegszeit auszustellen. Die Galerie in der Wiener Grünangergasse entwickelte sich dadurch rasch zu einer der renommiertesten Avantgardegalerien in Österreich.